DE/680617 - Brief an Sacisuta geschrieben aus Montreal

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ISKCON RADHA KRISHNA TEMPLE
3720 Park Avenue
Montreal 18, Quebec, Canada

17. Juni, 1968


Mein lieber Sacisuta,

Bitte nimm meinen Segen an. Ich bin dir sehr dankbar für deinen Brief vom 12. Juni 1968. Die Wissenschaft des Krishna-Bewusstseins ist eine transzendentale Wissenschaft, die von materialistischen Personen nie verstanden wird. Daher lautet die Weisung der Veden, dass man sich einem spirituellen Meister zuwenden muss, um diese transzendentale Wissenschaft zu verstehen. Und die Qualifikation eines spirituellen Meisters besteht darin, dass er das Wissen in ähnlicher Weise von einem bonafiden spirituellen Meister erhalten haben muss, und das Ergebnis ist, dass ein spiritueller Meister vollkommen von der Existenz der Höchsten Persönlichkeit Gottes überzeugt, und er darauf fixiert ist. Das ist die Qualifikation des spirituellen Meisters. Mit anderen Worten, diese Wissenschaft wird nur durch eine dienende Haltung gewürdigt. Es wird nie von jemanden mit herausfordernder Geisteshaltung verstanden. Wer demütig und bereit ist, die transzendentale Botschaft akustisch zu empfangen, nur ihm wird die Transzendenz offenbart. Je mehr man also für Krishna eine dienende Haltung einnimmt, desto mehr wird sich Krishna einem offenbaren. Krishna ist in uns, und er erwartet unsere Hingabe und unseren Dienst, und sobald er sieht, dass wir ernsthaft in dienender Stimmung sind, werden wir alles über Krishna verstehen - seine Qualitäten, seine Gestalt, seine Freizeitbeschäftigungen, sein Gefolge und seinen Wohnort. Ich bin sehr froh zu wissen, dass du durch deine dienende Haltung allmählich aufsteigst, und ich möchte dich bitten, diese Haltung ewig zu bewahren, und Krishna wird sich dir ständig offenbaren. Mit anderen Worten: Krishna ist unbegrenzt, aber je mehr wir die dienenden Haltung einnehmen, desto mehr schätzen wir Ihn in immer neueren Aspekten. Es gibt einen Vers, der von Yamuna Acarya gesprochen wird. Er sagt, seit ich begonnen habe, die immer neueren Aspekte von Krishna zu erkennen, habe ich mehr und mehr den materiellen Genuss vergessen. Und der Gipfel des materiellen Genusses ist der Sex. Und Yamuna Acarya sagt, "Immer dann, wenn ich an Sex denke, dann spucke ich auf diesen Gedanken". Das ist der Zustand des Krishna-Bewusstseins. Je mehr man den unsinnigen materiellen Genuss vergisst, desto mehr muss man wissen, macht man Fortschritte im Krishna-Bewusstsein. Man muss niemanden fragen, ob man Fortschritte macht, man wird sich durch diesen Test selbst erkennen. Genau wie ein Mensch, der zu Mittag isst, wird sich von seinem Hunger und seiner Stärke danach befriedigt fühlen. In ähnlicher Weise wird man, je mehr man Krishna dient, die materiellen Sehnsüchte vergessen und spirituelle Stärke erlangen. Das ist die Prüfung.

Es freut mich zu erfahren, dass du dich so fühlst und weiterhin Hare Krishna chanten wirst, und die Antwort bereits von dir verstaden worden ist. Ich danke dir vielmals.


Bezüglich deiner Frage, wie Krishna ein männliches Wesen werden kann: (deine Frage,". . . Ich habe aus Srimad Bhagavatam gelesen. Kapitel 11, Vers 7, "Oh, Schöpfer des Universums, Du bist unsere Mutter, der Wunschbringer, Herr, Vater, der spirituelle Meister und die verehrungswürdige Gottheit". Ich wurde gefragt: 'Wie kann Krishna Mutter sein, wenn er das höchste männliche Wesen ist?"). Man muss für Krishna stets die materiellen Konzepte der Existenz vergessen. Krishna ist völlig anders als alles, was mit materiellen Konzepten zu tun hat. In der materiellen Vorstellung denken wir daran, wie ein Mann eine Frau sein kann oder wie eine Frau zu einem Mann werden kann. Das ist materiell. Aber du kennst das Bild, dass Krishna als Garbhodaksayi Visnu auf dem Ozean liegt während ein Lotusstamm aus seinem Bauchnabel wächst, und Brahma daraus geboren wird. Visnus Frau, Laksmi, war dort anwesend. Sie hat gerade das Bein des Herrn massiert, und der Herr ging ihr aus dem Weg und brachte ein Kind zur Welt. Hier in der materiellen Welt kann niemand ohne die Hilfe der Frau ein Kind zeugen. Aber es gibt das greifbare Beispiel, dass Visnu, ohne jegliches Sexualleben mit der Frau, ein Kind zeugte. Im materiellen Sinne können wir uns nicht vorstellen, wie ein Kind geboren werden kann, ohne durch den Unterleib einer Frau geboren zu werden. Deshalb kann Krishna, da er sowohl Vater als auch Mutter ist, auch als Mutter angesprochen werden. Das ist seine allmächtige Stärke. Er ist vollkommen in seiner Selbst. Er braucht niemandes Hilfe, deshalb ist er sowohl Vater als auch Mutter. Ich denke, das wird deine Vorstellung aufklären.

Es ist unser materielles Denken, das uns behindert. Du denkst männlich, von der materiellen Welt, und ein Mann in der materiellen Welt kann kein Kind zeugen. Und wenn du auch denkst, dass Krishna auch Mutter ist, dann denkst du ebenfalls mit einer materiellen Vorstellung. Wir müssen also vermeiden, unser materielles Denken und unsere materiellen Konzepte zu verwenden, wenn wir über Krishna nachsinnen. Deshalb müssen wir uns einem bonafiden spirituellen Meister zuwenden, um zu verstehen.

Ein weiteres Beispiel wird in der Bhagavad Gita erklärt, dass Krishna die Lebewesen im Mutterleib der materiellen Natur erzeugt. Die materielle Natur ist auch eine Erweiterung der Potenz von Krishna. Die Wirksamkeit der Erweiterung der Potenz unterscheidet sich nicht von der höchsten Potenz. So wie die Hitze sich nicht vom Feuer unterscheidet. Mit anderen Worten, Hitze und Feuer sind dasselbe; wenn wir also auf diese Weise davon sprechen, ist die materielle Natur die Mutter und Krishna ist der Vater. Aber da die materielle Natur nicht von Krishna zu trennen ist, wird Krishna gleichzeitig Vater und Mutter. Die Hitze ist Feuer und das Feuer ist Hitze. Obwohl du die Intensität der Hitze ertragen kannst, wenn du jedoch ins Feuer trittst, wirst du verbrannt. Die Hitze und das Feuer sind gleichzeitig eins und verschieden. Das ist die Philosophie des unvorstellbaren Eins und Anders, die Lord Chaitanya erläutert hat. Bemühe dich, dies auf diese Weise zu verstehen.

Deine nächste Frage, ("In Srimad Bhagavatam, Kapitel 9, Text 1, "Suta Goswami sagte, dass Maharaj Yudhisthir aus Angst vor der Ermordung der Untertanen auf dem Schlachtfeld von Kuruksetra zu dem Ort des Massakers ging, an dem Bhismadeva... auf einem Bett aus Pfeilen lag, um zu sterben. Bhismadeva... war mit der Macht ausgestattet, seinen materiellen Körper nach seinem eigenen Willen zu verlassen, und sein Liegen auf einem Bett aus Pfeilen war auch seine eigene Wahl. Wurde Bhismadeva in der Schlacht von Kuruksetra durch die Pfeile verwundet, oder entschied er sich einfach selbst dafür, nun seinen sterblichen Körper zu verlassen und sich so auf einem Bett aus Pfeilen zum Sterben hinzulegen?") Bhismadeva... wurde sicherlich durch die Pfeile von Arjuna verwundet. Aber die Verletzungen sind nicht immer die Ursache des Todes. Aus unserer eigenen praktischen Erfahrung wissen wir, dass viele Soldaten auf dem Schlachtfeld verwundet werden, manchmal sehr schwer, aber dennoch ist einer davon nicht tot - er erholt sich im Krankenhaus. Bhismadeva... war also sicherlich so schwer verwundet, aber das war nicht die Ursache seines Todes. Er zog es vor, sich auf das Bett aus Pfeilen zu legen, und alle Pandavas und Krishna kamen dort an, um sein Ableben zu erleben. Sein Ableben geschah also nur aus eigenem Willen - das war der Segen seines Vaters. Auf dem Schlachtfeld wurde Bhismadeva... auch Krishna sehr schwer verwundet. Er war ein großer Devotee Krishnas. Und Lord Krishna akzeptierte die Pfeile, die seinen eigenen Körper durchbohrten, als ob jemand ihn mit weichen Rosenblüten anbeten würde. So ist Krishnas transzendentaler Körper. Aber diejenigen, die Materialisten sind, werden von Krishna betrogen, weil sie glauben, er sei verwundet. Die Materialisten werden denken, dass Krishna verwundet wurde, aber wer weiß, wer Krishna wirklich ist, weiß auch, dass Er durch die Pfeile angebetet wird. Auf dem Schlachtfeld wurde also weder Krishna verwundet, noch starb Bhismadeva von den Wunden dieser Verletzungen. Er beschloss damals zu sterben und deshalb starb er. Diese Dinge werden immer klarer, wenn man Krishna durch Offenbarung versteht. Ich denke, wenn du in deiner jetzigen Haltung Fortschritte machst, wirst du bald all diese Feinheiten der geistigen und materiellen Lebensbedingungen erkennen.

Ich freue mich sehr, dass du im Tempel von Los Angeles bist. Bitte versucht, den Zustand des Tempels gemeinsam zu verbessern, und dieser Dienst wird von Lord Jagannatha sehr geschätzt werden. Soeben erhielt ich eine Telefonnachricht aus San Francisco, dass ein Mädchen von Malati und Syamasundar geboren wird. Und sie baten mich um die Eintragung des Namens des Babys, und sie wird von mir als Sarasvati Devi ernannt. Bitte bete für das neugeborene Baby im Krishna-Bewusstsein. Ich hoffe, es geht euch allen gut.

Dein ewig Wohlmeinender,

[nicht unterzeichnet]

A.C. Bhaktivedanta Swami